Dieser Beitrag soll sich um das zweite (Make it attractive) & dritte (Make It Easy) Gesetz von James Clear drehen – ein weiterer wichtiger Schritt in die Richtung neue gute Gewohnheiten in deinen Alltag zu integrieren, die dich näher zu deinem Ziel bringen!
Dies ist der zweite Teil der Atomic Habits für Informatiker Serie, basierend auf dem Buch Atomic Habits von James Clear. Solltest du den ersten Teil (Basics & Gesetz 1: „Make it obvious“) verpasst haben, guck doch bitte hier vorbei. 🙂
In dieser kleinen Reihe möchte ich auf alle 4 Gesetze aus dem Buch eingehen, also sei gespannt auf mehr, wenn dir dieser Post gefallen & weitergeholfen hat!
Kurzer Disclamer: ich habe das Buch auf Englisch gehört & James Clears Blog ist ebenso auf Englisch verfasst. Das führt zu Denglisch in meinem Blogbeitrag.
Meine Ziele
Nachdem inzwischen etwas Zeit ins Land gegangen ist seit dem ersten Teil der Reihe, haben sich meine Ziele auch verändert, wodurch auch andere Gewohnheiten gefragt waren. Somit hier die neuen Ziele, die ich neben meiner 40h Arbeitswoche etablieren wollte:
- Den Instagram Account 404InformatikerinNotFound 2-3 Mal pro Woche mit Content bespielen
- Kundenanfragen innerhalb eines Tages beantworten
- Kundenprojekte zeitnah umsetzen
- Wieder regelmäßig – 1-2 Mal pro Woche – Sport machen
- Täglich meditieren, lesen & Tagesreflektion im Notizbuch
Law 2: Make it attractive.
„Use temptation bundling.
James Clear – Atomic Habits
Pair an action you want to do with an action you need to do.“
In seinem Buch schlägt James Clear vor Dinge zu verbinden, die man mag mit solchen, die man tun muss. Dafür gibt er den Rat eine Liste mit 2 Spalten anzulegen mit folgenden Inhalten:
- Die Dinge, die man mag & die verlockend sind zu tun.
- Die Dinge, die man tun muss, aber lieber prokrastiniert.
Im nächsten Schritt geht es darum diese beiden Spalten gekonnt mit einander zu kombinieren. Für mich ergab sich beispielsweise daraus:
- Kalyn’s Coffeetalk Podcast nur beim Joggen anzuhören
- Nur für die Arbeit als Freelancer zuhause meinen Lieblingstee am Schreibtisch haben
Ehrlich gesagt finde ich es bei Aufgaben, die weniger ‚kopflastig‘ sind einfacher etwas obendrauf zu packen, das es attraktiver macht, wie z.B. Sport oder Putzen. Wenn der ganze Fokus auf eine Sache gerichtet ist, ist es auch schwer den neuen Attraktivitätsfaktor zu spüren.
Alternativ kann der Attraktivitätsfaktor auch zeitversetzt hinzugefügt werden:
„After [habit I need] I will [habit I want]”
James Clear – Atomic Habits
- Wenn die [Kunden E-Mails beantwortet sind], werde ich [meine Abendroutine] beginnen.
- Wenn ich [im Zeitplan mit meinen Instagram-Posts bin], werde ich [Instagram auch privat nutzen].
Das Problem dabei ist natürlich die Selbstbeherrschung.
Orientierung am Umfeld
„To change your habits, join a culture where your desired behavior is normal & you have something in common.“
James Clear – Atomic Habits
James Clear erwähnt drei Personenkreise, die wir auf natürliche Art imitieren, ohne es bewusst zu tun:
- The close (Nahestehende) – Freunde & Familie stellen den größten Einfluss dar.
- The many (Menge) – Wenn man sich unsicher ist, wie man sich verhalten soll, orientiert man sich an der breiten Masse.
- The powerful (Einflussreiche) – Status & Prestige. Der Mensch will sich bemerkt, angenommen & willkommen fühlen. Dazu imitiert er Verhaltensmuster der Einflussreichen.
Um seinen gewünschten Gewohnheiten näher zu kommen, sollte man sich somit Gleichgesinnte suchen, die einen positiv beeinflussen. Dabei ist es nicht relevant, ob man selbst diese Gewohnheit noch nicht in seinen Alltag integriert hat, oder bereits voll dabei ist & diese Gewohnheit weiter erhalten möchte.
Um täglich zu meditieren kam mir hierfür ein Kumpel zugute, der die gleiche Meditations-App nutzt, wie ich. Für meine sportlichen Ziele dient mein Freund als Inspiration, der regelmäßig Sport treibt & um mich regelmäßig um meinen Instagram-Account zu kümmern ließ ich mich von den Instagram-/YouTubekanälen, denen ich folge, die regelmäßig Content produzieren, beeinflussen.
Law 3: Make it easy.
Das dritte Gesetz von James Clear setzt am Problem selbst an – mach es einfach!

„Don’t ask ‚how long does it take to build a new habit,‘ ask ‚how MANY [reps] does it take to form a new habit.‘!“
James Clear – Atomic Habits
Wie oft denkst du noch wirklich übers Zähneputzen nach? Wohl kaum noch. Genauso ist es auch mit anderen Gewohnheiten. Je öfter man sie macht, desto einfacher & automatisierter werden sie ablaufen.
Inzwischen denke ich kaum mehr nach, wenn ich morgens in die Straßenbahn Richtung Bahnhof steige & direkt mein Notizbuch hervorhole. Ähnlich ist es, wenn ich dann in den Zug Richtung Büro steige, meine Kopfhörer in die Ohren stecke & die Headspace App starte. Sobald die Meditation (~10min) vorbei ist, lese ich den Rest der Zufahrt, so sind alle diese Punkte bereits erledigt, bevor ich bei der Arbeit ankomme – je öfter sich dieser Teil des Morgens abspielt, desto einfacher geht er von der Hand. Vor allem für diese neuen Gewohnheiten habe ich festgestellt, dass sie nach ungefähr drei Wochen nahezu von selbst abliefen. Diese Beobachtung deckt sich somit auch mit der bekannten 21/90-Rule, die besagt, dass es 21 Tage braucht, bis sich eine Gewohnheit etabliert & 90 Tage, bis daraus ein Lifestyle wird. James Clear zitiert in seinem Buch jedoch eine Studie, die belegt, dass mindestens 66 Tage vergehen müssen, bis sich eine neue Gewohnheit im Alltag verankert.
„Reduce friction. Decrease the number of steps between you and your good habits.“
James Clear – Atomic Habits
Je weniger Handgriffe zwischen dir & deiner neuen Gewohnheit liegt, desto einfacher ist es sie durchzuführen & aufrecht zu erhalten. Keiner will erst drei Stunden den Schreibtisch aufräumen & putzen, bevor er dann auch noch daran arbeiten muss. Ähnlich habe ich es auch mit meinen morgendlichen neuen Gewohnheiten gestaltet, die ich für meine Pendelstrecke vorgesehen habe. Alles was ich brauche ist nur einen Handgriff in den Rucksack entfernt. Mein Buch & das Notizbuch verlassen diesen Rucksack auch nicht nach der Arbeit, wodurch ich morgens nicht extra daran denken muss sie einzustecken. Die Lesezeichen befinden sich genau dort, wo ich am nächsten Morgen weitermachen werde & der Kugelschreiber hängt immer am Notizbuch – keine Ausreden möglich!
„Prime the environment. Prepare your environment to make future actions easier.“
James Clear – Atomic Habits
Zudem ist es wichtig die Umgebung entsprechend vorzubereiten. Ähnlich, wie der Tipp zuvor die Handgriffe zu reduzieren, soll diese Umgebung auch einladend für die neue Gewohnheit sein. Beispielsweise: Für die Arbeit an Kundenprojekten sorge ich dafür, wenn ich die Wohnung morgens zur Fahrt zum Büro verlasse, dass der Schreibtisch immer aufgeräumt hinterlassen ist, sodass ich mich nach Feierabend nur noch hinsetzen & loslegen muss. Dazu gehört auch, dass ich das Surface an die Dockingstation anschließe, damit der Akku abends nicht leer ist. Die Teetasse sollte dann auch bereit für ihren Einsatz sein & der Stuhl frei sein, sodass man darauf sitzen kann (jeder kennt den Moment, wenn der Stuhl/Couch zum begehbaren Kleiderschrank wird..). Mein Arbeits-Journal liegt ebenso bereit, um Arbeitsfortschritte zu notieren oder Stichpunkte zum Projekt nachzusehen. Auch hier sind Ausreden, wie ein dreistündiger Prokrastinationsputz, kaum möglich.
„Use the Two-Minute Rule. Downscale your habits until they can be done in two minutes or less.“
James Clear – Atomic Habits
Jede Aufgabe lässt sich in einzelne Arbeitsschritte unterteilen. Jeder dieser Arbeitsschritte sollte nicht länger als zwei Minuten dauern, um ihn möglichst einfach zu gestalten. Ein Beispiel anhand von meiner Remote-Arbeit für einen Kunden an einer Django Webapplikation:
- Hochfahren des PCs
- Starten des VPNs
- Verbinden mit dem Remote PC / virtuellen Maschine
- Starten der Entwicklungsumgebung
- Öffnen des E-Mail Postfachs (Auftragsbeschreibung)
- ggf. Analyse des Bugs in der Live-Version der Webanwendung (> 2 min)
- Implementierung & Testing lokal (> 2 min)
- Deployment
- …
Die meisten dieser Schritte benötigt maximal 2 Minuten. Somit wird jede einzelne Teilaufgabe einfach & überschaubar & man neigt wesentlich weniger dazu die große Aufgabe stundenlang / tagelang vor sich her zu schieben. Die Schritte, die länger als 2 Minuten dauern können jedoch auch wieder in kleinere Unteraufgaben unterteilt werden, die je nach Auftrag unterschiedlich ausfallen.
„Automate your habits. Invest in technology and onetime purchases that lock in future behavior.“
James Clear – Atomic Habits
Als abschließenden Tipp in diesem Kapitel gibt James Clear, das man anhand von Investitionen langfristig die Gewohnheiten im Alltag hält. Für den Sport kann man einfach in schöne bequeme Sportkleidung investieren oder eine Fitness-Mitgliedschaft in einem nah gelegenen Fitness. Doch wie setzt man das auf den Informatiker-Alltag um? In meinem Alltag wäre das beispielsweise die jährliche Investition in die Chrome Extension Momentum-Dash, mit der ich meine To Dos einfach organisieren kann. Beim Öffnen eines neuen Tabs werden mir diese To Dos dann jedes mal angezeigt, wodurch ein ‚versehentliches‘ Vergessen schwer fallen würde. Ähnliches gilt für andere Programme, die einen auf Kurs halten, das Arbeiten einfacher (drittes Gesetz), oder angenehmer/attraktiver (zweites Gesetz) gestalten.
Ausblick
Meiner Meinung nach können nicht unbedingt für jede (neue) Gewohnheit alle vier bzw. erstmal drei Gesetze zeitgleich angewendet werden. Bei manchen Gewohnheiten ist es wesentlich einfacher sie attraktiv (zweites Gesetz) als einfach (drittes Gesetz) zu gestalten oder eventuell ist es noch einfacher die Gewohnheit offensichtlich (erstes Gesetz) zu machen. Verschiedene Ziele erfordern meiner Meinung nach auch verschiedene Ansätze, es ist jedoch nicht falsch jeden Ansatz für das jeweilige Ziel zu überprüfen. Letztendlich ist auch Atomic Habits keine Magie, denn um die eigenen Ziele zu erreichen benötigt man zusätzlich immer noch eine gehörige Portion Selbstdisziplin & Wille.
In dem nächsten Blog-Beitrag wird es um das vierte & letzte Gesetz „make it satisfying“ gehen, welches die Erfolge der ersten drei Gesetze nachhaltig unterstützt. Zudem wird es abschließend noch einen Beitrag geben, der davon handelt, wie man durch die Invertierung der Gesetze schlechten Gewohnheiten den Kampf ansagen kann.
Lass mich wissen, wie dir die Serie gefällt! Welche Ziele willst du damit in Angriff nehmen?

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